Port Elizabeth: Elefanten und grandiose Natur

Da es meine erste Reise nach Afrika ist, wäre es schon schön, wenn wir nicht ganz ohne Tiere nach Hause fahren. Demnach wird der Aufenthalt in Port Elizabeth für eine Safari genutzt. Leider beginnt unser Ausflug in den Addo Elephant National Park beginnt aber etwas chaotisch. Ich habe ein Event über den Anbieter Getyourguide gebucht und der Treffpunkt soll ein Hafentor sein. Klingt erstmal realtiv eindeutig, ist es aber lange nicht. Was wir nämlich nicht wissen: Es gibt gleich drei davon. Nach einigem Suchen, Absprachen über Dritte und knapp 45 Minuten Verspätung finden wir schließlich unseren Wagen. Puh, wir sind erstmal ordentlich durchgeschwitzt. Auf uns wartet bereits eine kleine Work-and-Travel-Gruppe, kaum volljährig, die in Afrika gemeinsam Bäume pflanzt und heute ihren freien Tag hat. Mir tut es irre leid, dass alle auf uns warten mussten. Die Fahrt führt uns gut eine Stunde nordöstlich von Gqeberha (ehemals Port Elizabeth) nach Eastern Cape. Das Eastern Cape ist die zweitgrößte Provinz Südafrikas und ein beliebtes touristisches Reiseziel. Ein Grund hierfür ist die Vielfalt der Region: üppige immergrüne Wälder, weite Buschlandebenen, alles überragende Bergketten, eine riesige Halbwüste und eine Küstenlinie mit atemberaubenden Stränden. Soweit die Bezeichnung aus dem Reiseführer. Und die bewirbt natürlich oftmals nur die schönen Seiten. Der Blick aus dem Fenster zeigt uns zunächst aber eine ganz andere Gegend. Bittere Armut, ununedlich viel Müll, Behausungen aus Wellblech von denen ich mich hüte, sie als Häuser zu bezeichnen. Man ist bedrückt über dieses Elend, was nicht so recht in die Fröhlichkeit unseres Besuchs passen will. Je näher wir aber dem Park kommen, desto weniger Menschen kreuzen unseren Weg. Das Grün nimmt rasant zu und auch die Büsche werden immer dichter. Wir nähern uns dem Addo.

Der Addo Elephant National Park liegt genau in dieser Übergangszone. Er ist ein riesiges Schutzgebiet mit rund 180.000 Hektar Fläche und somit der drttgrößte Nationalpark Afrikas. Die vorherrschenden Gewächse, die man weder als Busch noch als Baum bezeichnen kann, sind gerade so hoch, dass sie einen Elefanten verdecken können. Dass es diesen Ort überhaupt noch gibt, grenzt an ein Wunder. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Elefanten hier systematisch gejagt, weil sie als Bedrohung für die Landwirtschaft galten. 1931 lebten nur noch elf Tiere in der Region und man begann gerade nich rechtzeitig ihnen einen Schutzraum einzurichten. Seitdem hat sich die Population wieder auf 600 Tiere erholt. Das Reservat ist eingezäunt, denn nur so kann man die Tiere langfristig schützen und das ökologische Gleichgewicht steuern. Innerhalb dieser Grenzen können sich die Tiere jedoch frei bewegen. Puh, hoffentlich haben wir Glück. Der Park ist doppelt so groß wie Berlin, da kann man auch stundenlang fahren und nichts sehen. Am Eingang wechseln wir in einen offenen Geländewagen und treffen unseren Guide Eddie. Eddie stammt aus der Gegend und erklärt uns die Regeln für unseren Tag. Die sind kurz und eindeutig: Nicht aussteigen. Ruhig bleiben. Arme und Mobiltelefone im Fahrzeug lassen. Hier draußen gelten andere Bedingungen und wir als Menschen stehen nicht an der Spitze der Nahrungskette. Alle sind ziemlich aufgeregt als es endlich los geht. Der Wagen arbeitet sich ruckelnd über die staubigen Pisten, während links und rechts dichtes Buschland vorbeizieht. Im Hintergrund liegen majestätische Berge. Nach kurzer Zeit sehen wir die ersten Kudus. Dies sind elegante Antilopen, die Männchen sehr eindeutig erkennbar am Spitzbart und Korkenziehergehörn. Sie stehen halb verborgen zwischen den Büschen, drehen kurz die Köpfe zu uns und beschäftigen sich dann wieder mit wichtigeren Dingen, wie essen. Es dauert nicht lange und wir sichten majestätische Strauße und braune Warzenschweine mit ihren Jungen. Richtig niedlich.

“Ich glaube, da hinten habe ich die ersten Elefanten gesehen.” ruft Eddie, der nicht nur fahren, sondern gleichzeitig auch nach den Tieren Ausschau halten muss. Und tatsächlich, vor uns tauchen die ersten Elefanten auf. Ihre wuchtigen Körper sind vom roten Schlamm gefärbt, fast rostfarben. Für einen Moment denken wir tatsächlich, wir hätten eine neue Art entdeckt. Eddie sagt uns, dass es einfach getrockneter Schlamm ist. Mit jedem Meter den wir weiterfahren werden es mehr. Einige stehen direkt am Weg, andere stehen dösig im Buschland. Manche kommen dem Fahrzeug sogar so nah, dass man jede Bewegung wahrnimmt und jede Falte ihres Körpers studieren kann. Die raue Haut, die dicken Falten, die langen Wimpern und das langsame Schwingen des Rüssels. Dieser Rüssel ist sowieso etwas besonderes. Beinahe wie einen Staubsauger schwenken die Tiere diesen über den Boden und zupfen dabei das grüne Gras. Mit Eddie haben wir wirklich einen sehr erfahrenen Guide an der Seite. Er fährt vorausschauend, er bremst früh, hält genügend Abstand und er beobachtet die Tiere genau. Man merkt, dass er ständig weiß, was um ihn herum passiert. Einmal positioniert er den Wagen genau an der Stelle, an der der Elefant gleich die Straße kreuzen wird. Glücklicherweise scheinen die Elefanten von unserer Anwesenheit völlig unbeeindruckt zu sein und wir können sie ganz in Ruhe beobachten.

Addo ist aber längst nicht nur ein Ort für Elefanten, auch wenn sie hier klar dominieren. Im Park leben neben ihnen noch Büffel, Löwen, Leoparden und Nashörner – quasi die bekannten “Big Five”. Als unser Lektor zum ersten Mal davon sprach dachte ich, „Big Five“ sei einfach so ein Marketingbegriff. Klingt gut, verkauft sich gut. In Wahrheit steckt dahinter eine ziemlich ernste Geschichte: Das sind die fünf Tiere, die früher für Jäger am gefährlichsten waren. Heute sitzt man im Jeep und jagd anstelle mit Gewehr mit seiner Kamera nach den besten Fotos der Bande. Durch die Nähe des Addo zur Küste, gehören sogar Weiße Haie und Südliche Glattwale zum erweiterten Gebiet. Einer der wenigen Orte weltweit, an denen theoretisch auch die „Big Seven“ vorkommen. Nach gut zwei Stunden erreichen wir einen Picknickplatz. Der Bereich ist umzäunt, wirkt aber wie eine kleine Insel mitten im Nationalpark. Hier können wir zum ersten Mal aussteigen und uns strecken. Diese Fahrt geht gehörig auf die Gelenke. Unser Tourenveranstalter hat Eddie noch ein paar Kollegen geschickt, die für uns klassisches Braai zubereiten, eine südafrikanische Tradition des Grillens über offenem Feuer. Dazu gibt es Blatt- und Kartoffelsalat. Einfach unbeschreiblich lecker und eine wirklich wunderbare Pause, bevor wir weiter auf die Pirsch gehen. Eddie lacht: “Hey Leute, wollen wir versuchen die Löwen zu finden?”
Alle rufen laut ja. Ob wir sie sehen, ist am Ende fast egal. Wir haben längst mehr erlebt, als wir erwartet haben.

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