Puerto Vallerta: Einfach mal abtauchen

Mexiko hätten wir gern nochmal etwas länger kennengelernt. Das wissen wir spätestens nach dem Vortrag unseres Lektors. Doch wir hatten uns bereits zu Beginn der Reise für einen Schnorcheltrip zu den Marieta-Inseln entschieden. Ehrlich gesagt, liegt bei uns seit dem letzten Schnorchelabenteuer ein bisschen Nervosität in der Luft. Ich habe mit der Frage zu kämpfen, ob ich es diesmal wirklich besser hinbekomme und bei Mama hat eine Erkältung alle Atemfunktionen erstmal auf Halbmast gesetzt. Versuchen wollen wir es natürlich trotzdem. Noch dazu an einem Ort, der zu den schönsten Inseln Mittelamerikas zählt und heute eine Wassertemperatur von 30 Grad hat.

Die Stadt Puerto Vallarta liegt im Bundesstaat Jalisco, an der weiten Bucht von Banderas, eingerahmt vom 1.300 km langen Gebirgszug Sierra Madre Occidental. Von hier starten unzählige Boote hinaus in den Pazifik. Das Wetter verspricht uns einen fantastischen Tag. Nach etwa 45 Minuten Fahrt mit dem Katamaran des Anbieters “Vallerta Adventures” tauchen sie am Horizont auf. Zwei graue, unscheinbare Felsen mitten im Ozean. Die Marieta-Inseln sind vulkanischen Ursprungs, gezeichnet von Bombentests des Militärs, später gerettet durch Naturschützer wie Jacques Cousteau. Die mexikanische Regierung meint es ernst mit dem Naturschutz. Der Zugang ist streng reglementiert. 2016 wurden die Inseln sogar zeitweise komplett geschlossen, weil der Tourismus den empfindlichen Riffen zu sehr zusetzte. Die Inseln sind heute ein geschütztes Vogel- und Schnorchelparadies. Unser Guide zeigt uns den Blue-Footed Booby, den Blaufußtölpel. Man erkennt ihn sofort an seinen leuchtend blauen Füßen. Weltweit gibt es von ihnen nur noch circa 40.000 Paare, die Hälfte davon lebt auf den Galapagos-Inseln. Überhaupt sind die beiden Inseln ein regelrechter Hotspot der Artenvielfalt. 92 Vogelarten wurden hier gezählt, mindestens 115 Fischarten leben rund um die Korallenriffe. Und für diese sind wir angereist. Also Flossen an, Maske auf, rein ins Wasser. Irre, wie glasklar das Wasser hier ist. Eine der Regeln im Nationalpark besagt, dass man eine Schwimmweste tragen muss und nicht tauchen darf; man muss also beim Schnorcheln an der Wasseroberfläche bleiben. Erst hatten wir Angst, wir würden vielleicht nicht viel sehen, aber die Sicht unter Wasser war eine der besten überhaupt und tausendmal besser als in Roatan.Fische in allen Farben und Formen ziehen an uns vorbei, viele leuchtend gelbe Mexikanische Ziegenfische und Schwarzflossen-Falterfische. Mitreisende Marie, die schon auf Roatan mitgeschnorchelt hat, filmte unter sich sogar einen kleinen Hai. Natürlich läuft auch dieses Mal nicht alles perfekt. Ein Fehler mit der GoPro ruiniert mir die schönsten Unterewasseraufnahmen. Glücklicherweise gibt es einen Fotografen an Bord und hilfsbereite Gäste, die später Bilder und Unterwasseraufnahmen mit mir teilen. Wie schön!

Die Zeit beim Schnorcheln ist mit einem Wimpernschlag vorbei. Zurück geht es über eine kleine Holzleiter in kleine Boote und dann zum Katamaran. Für Mama ist das noch einmal eine Herausforderung. Erschöpft und erkältet hält sie wacker durch. An Deck warten schon Essen und kalte Getränke auf uns. Ich spüre eine kleine Enttäuschung, weil der Schnorchelgang zu kurz war. Aber gerade als wir denken, das war es jetzt, ruft der Guide: „Wollen wir Wale suchen gehen?“ Als bräuchte es darauf eine Antwort! Wenn man wie wir im Winter hier unterwegs ist, stehen die Chancen gut, Buckelwale in der Bucht von Banderas zu sehen. Jährlich zwischen Dezember und März findet in der Bucht von Banderas eines der grossartigsten Natur-Spektakel statt: Mutter Wal bringt ihrem Baby-Wal das Schwimmen und Flossenschlagen bei. Hunderte Wale ziehen hier in der Bucht vor unserer Haustüre ihre Jungen gross, bis diese stark und kräftig genug sind, irgendwann ab Ende März die lange Reise in kalte, arktische Gewässer anzutreten. Und dann sind sie da. Buckelwale in mehrere Gruppen. Zuerst erkennen wir sie an der Wasserfontäne die aus dem Meer schießt. Danach erst sehen wir ihre massiven Körper, die sich in größter Ruhe aus dem Wasser bewegen. Sehr nah kommen wir den Tieren natürlich nicht. Sobald die Motoren zu deutlich werden, tauchen sie wieder ab. Weniger ängstlich sind die über uns gleitenden Fregattvögel und die vielen Delfine. Sie springen so freudig durch die Bugwellen des Katamarans als wäre das hier ihr Lieblingsspielplatz. Wir sind mit dem Tag rundum zufrieden und freuen uns bereits jetzt auf weitere Schnorchelabenteuer. Hoffentlich ist es schon in Hawai wieder soweit.

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