San Francisco: Kurzbesuch der “Golden City”

San Francisco ist für uns tatsächlich nur ein Kurzbesuch. Wir wussten genau, dass bei einer Abfahrt am nächsten Tag um 14 Uhr, kein großer Raum für To-do-Listen bleibt. Das ist aber auch ok, wir haben schließlich traumhafte Tage an der kalifornischen Küste erlebt. Reinier und ich einigen uns beim Frühstück auf zwei Highlights, die mühelos für uns noch zu schaffen sind. Alles andere bleibt eben was es ist: aufregender Stoff für ein nächstes Mal. Nach dem Checkout aus unserem liebreizenden Hotel, zieht es uns in das Viertel rund um den Alamo Square. Ziel sind die Painted Ladies. Die berühmte Häuserreihe kennt man von Postkarten, Serienintros und auch sehr ambitionierten Puzzle-Motiven. Gebaut wurden sie zwischen 1892 und 1896, überwiegend im Queen-Anne-Stil, mit Erkern, Türmchen und Veranden. „Painted“ heißen sie dehalb, weil jemand in den 1960er- und 70er-Jahren nach einer Ära des Grau, den Häusern ihre Farbe zurückgegeben hat. Drei, manchmal vier Farbtöne pro Fassade. Die Farbkombination sind manchmal sehr wagemutig und doch ist alles sorgfältig abgestimmt und harmoniert perfekt. Im Gegenteil, viele verspielte Schnitzereien kommen jetzt erst richtig zur Geltung. Fast noch schöner als das bekannte Fotomotiv ist das Drumherum. Ganze Straßenzüge voller viktorianischer Häuser mit schmalen Treppen, Erkenfenstern (auch bay windows genannt) und kleinen Vorgärten. Das große Erdbeben von 1906 hat viele von ihnen zerstört, aber zum Glück nicht alle.

Als wir wieder mit Dirk vereint sind, machen wir uns auf Richtung Golden Gate Bridge. Das Wetter ist leider immer noch, sagen wir, sanfranciscotypisch. Grau und kühl mit leichtem Nebel. Wir überqueren die Brücke um jeden Preis. Wenn man schon mal da ist, sollte man sich das auf keinen Fall entgehen lassen, oder? Auf der anderen Seite der Brücke halten wir kurz und reihen uns ein in fotografierende Touristen. Was für ein ikonisches Bauwerk. Als sie 1937 gebaut wurde, war das Projekt ein echtes Wagnis. Mit einer Spannweite von 1.280 Metern galt sie lange als die längste Hängebrücke der Welt. Viele hielten den Bau für unmöglich. Es gab zu starke Strömungen, das Wasser war zu kalt, stets wehen entweder heftige Winder oder es herrscht dichter Nebel. Auch ihre Farbe ist kein Zufall. Das sogenannte International Orange war ursprünglich nur ein Korrosionsschutz. Aber man merkte schnell, dass der warme Rotton im Nebel besser sichtbar ist als Grau oder Schwarz. Außerdem passt die Farbe erstaunlich gut zu Himmel, Wasser und den Hügeln ringsum. Die Navy wollte die Brücke eigentlich schwarz-gelb streichen. Zum Glück hat sich das niemals durchgesetzt. Interressant ist, dass der Nebel von der Brücke regelrecht „eingefangen“ wird und dann manchmal einfach zur Hälfte verschwindet. Auch technisch ist die Brücke mehr als spannend: Die beiden Hauptkabel bestehen aus über 27.000 einzelnen Drähten, die vor Ort zusammengesponnen wurden. Jeder einzelne Draht hätte allein nicht viel gehalten. Zusammen tragen sie täglich zuverlässig tausende Fahrzeuge, Fahrräder und Fußgänger. Einfach wahnsinn.

Als wir uns dem Sog der Brücke entziehen, bleibt uns gerade einmal eine Stunde für den Palace of Fine Arts. Ebenfalls ein sehr bedeutendes Bauwerk, das aussieht, als wäre es schon immer am liebsten ein römischer Tempel gewesen. Errichtet wurde es 1915 für die Panama-Pacific International Exposition, einer Weltausstellung, die die Eröffnung des Panama-Kanals zelebrierte. Der Palace war bewusst ein Gegenentwurf zur schnellebigen Moderne und eine Gelegenheit für San Francisco, aus der Asche des verheerenden Erdbebens und Feuers von 1906 wieder aufzusteigen. Heute ist hier ein Theater und das wissenschaftliche Exploratorium.

Nach dem Ablegen und einem schweren Abschied von Reinier und Dirk, dreht unser unser Schiff in San Francisco noch einmal eine Extrarunde. Die Diva fährt hinaus Richtung Alcatraz, der berühmten Gefägnisinsel, und wir dürfen diese einmal komplett umrunden. Alcatraz war von 1934 bis 1963 als Hochsicherheitsgefängnis in Betrieb, berüchtigt für seine Insassen wie Al Capone oder „Machine Gun“ Kelly. Insgesamt saßen hier nie mehr als rund 300 Gefangene gleichzeitig. Die Legende der ausbruchssicheren Insel bröckelte spätestens 1962, als Frank Morris und die Brüder Anglin verschwanden. Ob sie überlebten, ist bis heute ungeklärt. Was man vom Wasser aus besonders gut sieht: den Wasserturm, den Zellentrakt, den Wachturm. Und auch die Schriftzüge, die an die Besetzung durch indigene Aktivisten erinnern. Von 1969 bis 1971 wurde Alcatraz von Native Americans besetzt, die die Insel als „Indian Land“ beanspruchten. Ein politischer Akt, der weit über San Francisco hinaus Wirkung zeigte und als Wendepunkt der modernen indigenen Bürgerrechtsbewegung gilt.

Der Nebel wird derweil immer dichter und der Wind bläst jetzt so stark, dass es einem fast die Kamera aus der Hand reisst. Noch einmal gleiten wir unter der Golden Gate Bridge hindurch, dann verschwindet die Stadt langsam hinter einem grau-weißen Vorhang. Auch von Land aus ist das Schiff kaum noch zu sehen, wie mir Reinier schreibt. Er hat sich extra nochmal an der Küste in Stellung gebracht. Wir winken trotzdem in den Nebel hinein.

Jetzt heisst es: Kurs auf Hawaii!

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