O‘ahu: Hawaiʻis urbanste Insel
Oʻahu ist unsere letzte Insel auf Hawaiʻi und gleichzeitig der Ort, an dem wir den Jahreswechsel feiern dürfen. Silvester in Honululu auf Hawaii – ein bisschen verrückt ist es ja schon. Doch bevor wir das für uns wirklich schlimme Jahr hinter uns lassen können, wollen wir den letzten Tag des Jahres noch einmal nutzen, um Hawaiis drittgrößte Insel aus besonders schönen Perspektiven kennenzulernen. Auf Oʻahu lebt der Großteil der Bevölkerung, hier sind Regierung, Militär und Wirtschaft präsent. Schon auf den ersten Blick wirkt es viel belebter als auf den Inseln zuvor. Während andere Aida-Gäste es kaum erwarten können, die Hauptstadt Honululu mit dem weltberühmten Waikīkī Beachund sowie die Militärbasis Peal Harbour zu besuchen, lassen wir den Teil ziemlich schnell hinter uns, denn geologisch und landschaftlich gesehen, ist Oʻahu eine besonders vielfältige Insel. Lässt man das toursitische Honululu hinter sich, wird man sehr schnell von wunderschönen Küstenstraßen begrüßt, die an unzählige Traumstrände führen. Unser Ausflug ist, wie nicht anders zu erwarten, wieder als klasssiche Touristenfahrt durchorganisiert ohne Einfluss auf die Route, die Stops und den zeitlichen Rahmen. Auch der Platz im Bus hat wieder entschieden, welche Blicke wir auf die Insel bekommen. Wir sitzen links. Die Küste liegt rechts. Die Sicht bleibt für uns also etwas eingeschränkt. Aber hey, wir ärgern uns nicht über das was nicht zu ändern ist und genießen dafür die Stops nochmal umso mehr. Mögen folgend einfach mal die Bilder für Oʻahus Schönheit sprechen und nicht die großen beschreibenden Geschichten…
Am Nachmittag fahren wir weiter Richtung Westküste von Oʻahu. Zum Abschluss unserer Zeit auf Hawaiʻi möchten wir noch einmal tief in die Kultur der Inseln eintauchen und haben ein Germaine’s Luau gebucht. Ein traditionelles hawaiianisches Fest zwischen kultureller Darbietung, gemeinsamem Essen und dem Versuch, den „Spirit of Old Hawaii“ nicht nur zu zeigen, sondern erlebbar zu machen.Rund 27 Meilen westlich von Waikīkī liegt das Gelände direkt am Meer, zwischen Industrieflächen und alten Zuckerrohrgebieten. Das Luau findet wie in einem natürlichen Amphitheater statt mit Sitzreihen zwischen Land und Wasser. Früher stand hier die Küstenresidenz der Familie Stephenson, bekannt für ihre Gastfreundschaft und ihre Familien-Luaus. Viele der Palmen aus dieser Zeit stehen noch immer. Jede wurde einst für ein Familienmitglied gepflanzt und ihre unterschiedlichen Höhen erzählen von Generationen, die hier zusammenkamen und feierten. Seit 1976 ist Germaine’s Luau fest an diesem Ort verankert, über drei Millionen Gäste sind seitdem Teil der Ohana geworden.
Aber ein Luau ist weit mehr als ein Abendessen mit Show. Ursprünglich hieß diese Form des Festes ʻahaʻaina und war tief religiös geprägt. Erst mit der Abschaffung des Kapu-Systems im Jahr 1819 wandelte sich das Luau zu einem offenen Fest, bei dem gemeinsam gegessen, gearbeitet, getanzt und gefeiert wurde. Schon vor Beginn können wir aktiv in diese Traditionen eintauchen. Für Gäste werden bunte Leis, die typischen Blumengirlanden, gebastelt, hawaiianische Tattoos aufgemalt und erste Tanzschritte ausprobiert. Viele Männer tragen Hawaihemden, die Frauen Blumenkleider. Wer möchte, lässt sich mit den Hula-Tänzern fotografieren oder beobachtet einfach das bunte Treiben mit einem Mai Tai, während die Sonne langsam Richtung Horizont sinkt. Wie schön kann ein Ort sein? Hier malt vermutlich ein polynesischer Gott noch höchstpersönlich den Sonnenuntergang. Dann werden Fackeln entzündet und das tiefe Tönen der Muschelschale, der Pu, kündigt den Beginn des Abends an. Die Imu-Zeremonie bildet den Auftakt. Das Kalua-Schwein wird nach stundenlangem Garen aus dem Erdofen geholt, der Duft von Rauch, Erde und Fleisch liegt in der Luft und verspricht ein besonderes Geschmackserlebnis. Gegessen wird gemeinsam und man kann sich am Buffet allerhand zusammenstellen. Kalua Pork, Poi aus Taro, Lomi-Lomi-Lachs, Huli-Huli-Chicken, süße Kartoffeln, Reis und frisches Obst. Es ist eine Küche, die über Jahrhunderte Einflüsse auch Einflüsse aus Japan, China, Portugal und den Philippinen aufgenommen hat.
Ungedulig warten wir alle auf den weltberühmten Hula. Der Tanz ist eine Form des Geschichtenerzählens. Er erzählt von Göttern, Inseln, Liebe und Verlust. Begleitet wird er meist von Ukulele, Pahu-Trommeln oder Slack-Key-Gitarre. Verschiedene Tänze aus Samoa, Tahiti, Neuseeland und Fiji zeigen, wie eng diese Kulturen miteinander verwoben sind. Zum Finale steigert sich die Energie nochmal spürbar. Schnell schlagende Trommeln kündigen das Finale, das Fire Dancing, an. Der muskulöse Tänzer wirbelt dabei scheinbar mühelos brennende Stäbe durch die Nacht ohne sich auch nur ein Haar zu verbrennen. Wir schauen gebannt auf die Performance und ich bin zutiefst eingenommen von einem spirituellen Gefühl, von einer fremden Kraft zu etwas Höherem. Vielleicht ist es aber auch einfach der “Aloha”-Spirit, der mich umhüllt. Ein tiefes Verständnis für das heilige Ganze, den Geist von Hawaii. “Aloha” ist ein Geschenk der hawaiianischen Kultur an die Welt und eine Aufforderung, in Liebe, Mitgefühl und Verbundenheit zu leben. Man verabschiedet uns mit einem Geschenk und dem ultimativen Hang-loose-Lebensgefühl, dem „Shaka“. Fast schon mühlelos gelingt uns mittlerweile das dazugehörige Handzeichen: die geschlossene Hand mit abgespreiztem Daumen und Zeigefinger, das symbolisiert das alles in Ordnung oder auch ziemlich cool ist. Wir sagen etwas wehmütig „a hui hou” – bis zum nächsten Mal!