Maui: Schnorcheln am Vulkankrater

Es ist unser dritter Tag im hawaiianischen Insel-Archipel und an diesem Morgen laufen wir in Kahului auf der Insel Maui ein. Wie auch die Tage zuvor, stapeln sich neben unserem Terminal die Frachtcontainer. Rund 80 Prozent aller Waren müssen nach Hawaiʻi importiert werden, und hier sieht man sehr konkret, wie abhängig diese Inseln in der heutigen Zeit sind. Während das Schiff langsam festmacht, klettert die Sonne über die Berge im Inselinneren. Dort hinten liegen sie, die ersehnten Postkartenmotive. Ich stehe an diesem Morgen noch etwas länger an Deck und mache ein paar Filmaufnahmen. Vielleicht kann manches davon im zukünftigen Reisefilm verarbeitet werden.

Für den Tag haben wir einen Schnorchelausflug mit PacWhale Eco-Adventures gebucht. Ein nachhaltiger Erlebnis-Anbieter, der eng mit der Pacific Whale Foundation zusammenarbeitet und dessen Touren Forschung, Bildungsprogramme und konkrete Schutzmaßnahmen finanzieren. Die Katamarane, die Touristen zu Whalewatchings oder Schorchelausflügen begleiten, fahren mit emissionsärmeren Treibstoffen und an Bord sind sogenannte Whale-Protection-Devices installiert, die Meeressäuger von den Propellern fernhalten. Es gibt uns ein gutes Gefühl, mit solch einem Anbieter den Tag zu verbringen. An Bord unseres Katamarans, der Ocean Explorer, begrüßt uns ein junges, überwiegend weibliches Team mit spürbarer Begeisterung für das, was sie tun. Nach nur einer kurzen Sicherheitseinweisung werden zum Start in den gemeinsamen Ausflugstag Kaffee, Saft und Croissants gereicht und dann schon bringt uns der Katamaran ruhig über das Wasser hinaus Richtung Molokini-Krater.

Keine fünfzehn Minuten nach dem Ablegen werden von der Crew die ersten Buckelwale gesichtet. Zwischen November und Mai stehen die Chancen auf Maui gut, die majestätischen Giganten zu beobachten. In der hawaiianischen Kultur spielen Wale eine zentrale Rolle. Sie tauchen in Mythen, Liedern und Schöpfungsgeschichten auf, ihre jährliche Rückkehr gilt bis heute als etwas Besonderes. Zwei Drittel der weltweiten Buckelwalpopulation zieht es jeden Winter aus dem Nordpazifik in die warmen Gewässer Hawaiʻis. Über 5.000 Kilometer legen sie dafür zurück, vom Golf von Alaska bis hierher. Wir sind wie gefesselt.Wir reduzieren sofort die Geschwindigkeit und halten respektvoll Abstand. Boote dürfen sich den Walen nicht mehr als 90 Meter nähern. Diese Schwanzflossen, die langsam im Wasser verschwinden oder mit einem kräfitgen Schlag auf die Wasseroberfläche treffen, wirken auch aus der Distanz wahnsinnig beeindruckend. Dass Maui einst eine bedeutende Walfangregion war, ist heute kaum noch vorstellbar. Die Population hat sich glücklicherweise wieder erholt und seit 1992 ist das gesamte Maui County als Schutzgebiet für Wale ausgeschrieben.

Behutsam steuern wir weiter in Richtung Molokini-Krater, unserem ersten Schnorchelspot. Geologisch betrachtet ist Molokini die Spitze eines erloschenen Vulkans, dessen Kraterwand halbmondförmig aus dem Meer ragt. Der Rest fällt steil in die Tiefe. Diese besondere Form sorgt für beste Schnorchelbedingungen: kaum Strömung im Inneren, oft Sichtweiten von über 40 Metern und ruhiges Wasser selbst dann, wenn draußen der Ozean unruhiger ist. Der Krater ist etwa 20 Hektar groß und bis zu 45 Meter tief. Mehr als 250 Fischarten hat man hier bereits dokumentiert, viele davon sind nur hier anzutreffen. Dazu kommen noch mindestens 38 Korallenarten. Molokini gehört zu den artenreichsten Schnorchel- und Tauchgebieten und ist streng geschützt. Der Krater dient auch als Brut- und Ruheplatz für Seevögel, die hier noch weitgehend ungestört bleiben.

Weil wir diesmal wirklich lange im Wasser bleiben wollen, ziehen wir zusätzlich Neoprenwesten an. Emily, die Bordfotografin, gibt nochmal kleine Einweisungen für die Fotos, die sie von uns im Wasser machen möchte. Ich überprüfe meine GoPro nochmal mehrfach. Nach früheren Erfahrungen soll diesmal alles klappen. Und wow! Der erste Schnorchelgang ist direkt ein Volltreffer. Kaum im Wasser, sind wir von bunten Fischschwärmen umgeben. Sieben Crew-Mitglieder sorgen dafür, dass uns die Strömung nicht zu nah an den Kraterrand treibt. Trotz bewölktem Himmel ist das Licht unter Wasser hervorragend und es macht einfach nur Spaß sich treiben zu lassen und sich die Welt unter Wasser anzusehen.

Der zweite Schnorchelspot liegt nahe Makena Beach, einer flachen, geschützten Bucht. Ein Lavafels an der Nordseite hält den Passatwind ab und somit ist das Wasser hier realtiv ruhig. Der Einstieg erfolgt direkt vom Boot ins offene Wasser. Kurz macht sich unter den Reisenden etwas Nervosität breit. Irgendwer fragt leise, ob es hier Haie gibt. Also wenn die Crew hier gelassen ist, dann sind wir es auch. Zunächst sehen wir lediglich tiefes Blau. Dann tauchen plötzlich dramatische Lavaformationen, bewachsenes Gestein, tiefe Spalten und Strukturen auf. Dazwischen viele Seeigel, Seegurken und Seenadeln – alles zum Beobachten nah. Jemand aus der Gruppe hat das Glück, mit einer Meeresschildkröte zu tauchen. Für uns Schnorchelanfänger bleibt sie etwas zu tief, vier, fünf Meter mindestens. Wir schauen den beiden etwas neidisch hinterher.

Zurück an Bord gibt es Zeit zum Aufwärmen und ein überraschend gutes BBQ. Vegetarische Burger, Hot Dogs mit Coleslaw und Salat. Wir sind absolut happy. Schöner wird´s nicht mehr. Natürlich begleiten uns unsere Wale auf dem Heimweg. Naja, zumindest fühlt es sich so an, als wir noch ein paar weitere Schwanzflossen und runde Rücken sichten. Was für ein perfekter Tag auf Maui!

Fotos: Einige der Aufnahmen wurden von Island Dream Productions geschossen und vor Ort erworben.

Weiter
Weiter

Big Island: Im Reich von Göttin Pele